Die Insel ruft Arche
Spiekeroog-Freizeit im Oktober
Es ist der 1. Januar 2006. Wir verbringen den Jahreswechsel wieder einmal in Schweden. In den letzten Tagen hat es so viel geschneit, dass die Freude am Schneefegen Mittler-Weile schon etwas weniger geworden ist. Unweigerlich müssen wir daher an die „Geschichte vom Schnee“ denken – vielleicht kennt sie der eine oder andere ja – und hoffen, dass die Schneemassen auf unserer Hütte das Dach nicht zum Einsturz bringen. Weitaus mehr jedoch als diese Sorge beschäftigen mich die „Altlasten“ aus dem Jahre 2005, die zum Teil auf einem karierten Zettel notiert stehen, den ich beschrieb, als mich irgendwann im November letzten Jahres Anja abends anrief. Auf diesem Zettel stehen folgende Hinweise: Mittwoch, 16.11., ab 18:00 Uhr Aufräumen etc. im Klecks und: Könntest du einen Artikel über unsere Spiekeroog-Freizeit schreiben ? Diese abstoßende Notiz, von der ich dachte, sie könne sich eventuell durch Missachtung erledigen, viel mir kurz vor unserer Abfahrt nach Schweden wieder in die Augen. Und nun sitze ich in einer zugeschneiten Hütte in Småland und verderbe mir den ersten Abend des neuen Jahres, an das ich so große Erwartungen hatte und eigentlich auch immer noch habe. Zudem sind meine Erinnerungen an Spiekeroog schon etwas verblasst. Ich hoffe also, dass die Qualität meiner – sicherlich kurzen Berichterstattung – alle überzeugen wird, dass die Zeilen über die nächste Aktivität des CVJM-Arche unbedingt einer anderen Feder entstammen müssen. Für mich steht jedenfalls fest, dass dies vorerst meine letzte Berichterstattung sein wird. Es war also Freitag, der 30. September 2005. Die Dämmerung war bereits der Dunkelheit gewichen, als wir uns (bis auf Anja, Lea, Dicky sowie Claudia, Thorsten, Tom und Marie V. und Karin N., die bereits eine Fähre früher genommen hatten) in Neuharlingersiel am Fähranleger trafen. Das heißt, Thomas N. überholten wir bereits vorher auf der Autobahn und fuhren dann gemeinsam den Rest des Weges bis zum Anleger. Selbst Arndt und Jenny, die keiner von uns Nachzüglern kannte, haben wir sofort dank eines Fotos der beiden erkannt und in unsere Mitte genommen. Schön, dass alle „Neuen“ unsere Runde ergänzt haben, wir haben ihre Anwesenheit sehr genossen. Die Überfahrt war eher unspektakulär. Auch die vielen Touristen, die sich offenbar genau wie wir entschlossen hatten, das verlängerte Wochenende auf Spiekeroog zu verbringen, fanden ihren Platz auf der Fähre. Und spätestens nach dem Weg zum Kiosk im Unterdeck, der durch den Kauf einer oder mehrerer Bockwürste erfolgreich abgeschlossen werden konnte, kam die für einige aus unserer Gruppe bereits bestens bekannte „Spiekeroog-Stimmung“ auf. Nach Ankunft auf der Insel konnte das Gepäck in dem Anhänger des Transportunternehmers verstaut werden, so dass der Fußmarsch in Richtung Quellerdün ohne große Verzögerung gestartet werden konnte. Die Dunkelheit der Nacht schien zwar an der einen oder anderen Weggabelung unterschiedliche Meinungen über den weiteren Verlauf des Marsches aufkommen zu lassen, doch kamen wir zielstrebig und bester Laune im CVJM-Heim an. Der Spähtrupp hatte sogar dafür gesorgt, dass wir Nachzügler noch ein richtiges Abendbrot erhielten. Das war total nett, und deshalb haben wir auch nichts von den Bockwürsten erzählt (oder doch ?). Der weitere Verlauf des Abends begann mit einer kurzen Kennenlernrunde und dem Vorstellen des Programms. Allen, die sich im Rahmen der Vorbereitung der Freizeit engagiert haben, gilt ein herzliches Dankeschön. Das Programm war abwechslungsreich und wieder einmal genau das Richtige für unseren bunt gemischten „Haufen“. Über die erste und die weiteren Nächte möchte ich eher weniger berichten. Nur, dass ich in einem echten Männerzimmer untergebracht war, auch wenn KaLü manchmal hereinkam und meinte, sie müsse Ansgar bei irgendetwas helfen. Thomas N. hat zwar regelmäßig behauptet, dass alle außer ihm geschnarcht hätten und das ich der schlimmste Schnarcher von allen gewesen sei, doch ich glaube, dass er gelogen hat. Ich hoffe Friedel, dass du auch Zeuge von Schnarchgeräuschen aus dem „nußhärschen“ Bett bist ?! Ich jedenfalls habe sie gehört, auch wenn sie zugegebenermaßen nicht übermäßig laut waren. Am nächsten Morgen (Samstag) wurde dann erst einmal der Ort besichtigt. Einkaufsbummel, was der Tourist eben so braucht. Der echte Hammer kam allerdings am Nachmittag am Strand. Sonnenschein und strahlend blauer Himmel begleiteten ein Potpourri von Aktivitäten, deren unbenommener Höhepunkt das „100-Schritte-gehen“ war. Dabei schien alles so einfach zu sein. Eine Person geht einfach 100 Schritte geradeaus und bleibt dann am Zielort stehen. Alle anderen folgen zeitversetzt, jedoch mit geschlossenen Augen. Glücklicherweise wurde für diese Aktion ein Strandbereich mit viel Auslauf gewählt. Es ist schon erstaunlich, wie geschlossene Augen die Auffassung von „geradeaus“ verändern können. Ohne Rücksicht auf Verluste wurde „geradeaus“ zur Links- bzw. Rechtskurve – auch mit Kinderwagen – umdefiniert, selbst eine Kreisbewegung wie mit einem Zirkel geschlagen konnten andere Strandtouristen beobachten, die möglicherweise das Gefühl bekamen, einer Gruppe Verrückter begegnet zu sein. Der Selbsterfahrungswert schien so hoch zu sein, dass unmittelbar eine Wiederholung der Übung ins Auge gefasst wurde. Und selbst am Abreisetag sollen noch einige Gruppenmitglieder am Strand bei der Wiederholung dieses Spektakels beobachtet worden sein. Aber auch das Gießen von Gipsabdrücken sowie das Strandmemory haben allen am Samstagnachmittag viel Freude bereitet. Die Gemütlichkeit am Abend wurde wesentlich durch Spiele und Rotwein bestimmt. Die vielen Toten, die zu beklagen waren, störten eher weniger. „Mord in Palermo“ war der Spielehit des Abends und musste daher auch gleich zweimal gespielt werden. Die Mafia war sehr aktiv, viel geschlafen hat sie jedenfalls nicht – und manch anderer der Gruppe möglicherweise auch nicht. Aber vielleicht fragt ihr zu diesem Thema auch noch einmal Miri und ihre Freundin – oder auch die männliche Klientel im nahe gelegenen Internat. Die Andacht am Sonntagmorgen wurde ergänzt durch einen Meditationsspaziergang, den jeder für sich ganz persönlich am Strand gestalten konnte. Aus diesem Grund gibt es hiervon auch nichts zu berichten, was für die Öffentlichkeit von Interesse wäre. Eine gelungene Idee war dieser Spaziergang aber ebenso und das nicht nur, weil auch er von blauem Himmel und Sonne begleitet wurde. Der abendlichen Einkehr im Pub bei Kilkenny oder Guinness folgten wieder Spiele (ich glaube, wir haben noch einmal „Mord in Palermo“ gespielt oder täusche ich mich?) und Gespräche, die bis lang in die Nacht andauerten. Ein Teil dieser durchaus auch philosophischen Gespräche fanden übrigens im Freien bei sternenklarem Himmel statt. Auch wenn ich mich zu erinnern glaube, dass Passagen dieser philosophischen Diskurse den nötigen Ernst vermissen ließen, ganz herzlichen Dank an Thorben, der uns mit viel Mühe und technischer Unterstützung den Sternenhimmel und das Universum näher zu bringen versuchte. Der nächste Tag war bereits Montag, der 3. Oktober. Der Vormittag gehörte dem Tischtennis- oder Tischfußballspiel und natürlich dem guten Wetter. Jeder nutzte für sich die letzten Stunden einer gelungenen Freizeit. Das Mittagessen wurde dann in Kleingruppen im Ort eingenommen (Restaurantbesuche), bevor wir uns nicht nur von der Insel, sondern auch von einem Teil der Reisegruppe wieder verabschieden mussten. Es gab eben Menschen, die am 4. Oktober wieder zur Arbeit mussten (z. B. Lehrer) und solche, die noch etwas Urlaub hatten. Aber das haben wir den Urlaubern auch gegönnt. Und so trennten sich nach der Rückfahrt mit der Fähre unsere Wege wieder dort, wo sie 3 Tage zuvor zusammen kamen, in Neuharlingersiel. Eine erlebnisreiche Freizeit ging ihrem Ende entgegen. Allen, die sie mit vorbereitet haben, noch einmal mein, d. h. unser ganz herzlicher Dank. Auch allen Mitreisenden mein herzlicher Dank. Es war eine schöne Zeit mit euch! Das war sie also, meine vorerst letzte Berichterstattung. Allen wünsche ich, dass sie etwas Vergnügen bei der Lektüre hatten. Ich freue mich jetzt auf die nächste Arche-Aktivität, es ist – so glaube ich – das Kloatscheeten am 21. Januar 2006. Übrigens, gerade habe ich mein kariertes Blatt Papier mit den Notizen in den Kamin geworfen, der unsere Hütte so gemütlich werden lässt. Ich habe den Eindruck, das Feuer brennt jetzt viel besser ...
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